Françoise Heitsch

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Konzept der Ausstellung

ist der Leitsatz dieser Ausstellung. Aus der Ferne kommen die Künstler und ihre Werke. Der Besucher wird die Arbeiten aus der Nähe betrachten. Damit aber die Kunst tatsächlich ankommen kann, müssen wir sie aus unserer Mitte wahrnehmen, mit unserem ganzen Wesen. Es ist hilfreich, einen Bund mit diesen Arbeiten einzugehen - etwas wie eine geheime Gemeinschaft zwischen uns und den Werken. Wenn wir uns darauf einlassen, kann hier etwas passieren, das unsere Ausstellungserfahrung zu sprengen in der Lage ist. Schließlich stehen wir mit einem Fuß noch in unserem Alltag, mit dem anderen jedoch schon in einer ferneren Welt: in Griechenland.

Zwölf Künstler aus Griechenland führt die Ausstellung zusammen - und damit zwölf ästhetische Positionen, die einen Überblick geben über die Facetten der griechischen Gegenwartskunst. Sie schlägt einen spannenden Bogen von der Malerei über die Skulptur und Installation bis zur Photographie und den Neuen Medien. Viele der Künstler sind in Deutschland noch kaum bekannte Entdeckungen, andere - wie George Lappas - haben sich bereits international etabliert; allen aber ist gemeinsam, in ihrer Arbeit aus einer ganz spezifischen Quelle zu schöpfen: dem Leben, der Geschichte, der Kultur Griechenlands.

Einen ganzen Film lassen Angelos Papadimitrious „deutsch-griechische Verwandtschaften“ vor unserem inneren Auge ablaufen. Vornehmlich Städter kommen darin vor, solche, die den größten Gefallen an sich selbst finden. Papadimitrious Porzellanfigürchen wecken mit ihrem edlen Material das Verlangen nach dem Überfluss und dem Luxus einer vergangenen Zeit und sind doch gleichsam Parodien dieser Sehnsucht.

Ein großes Thema schlägt die Arbeit von Aemilia Papaphilippou an: die Beziehung vom „Ich“ zum „Anderen“, die Gleichzeitigkeit des „Einen“ zum „Anderen“ – Gegensätze, aus denen sich alles Geschehen ableitet. Vor ihr hat Heraklit versucht, diese Philosophie der Welt zu vermitteln.

Nur im virtuellen Raum existieren viele der Werke von Christos Prossilys. Über seine Website www.culturalolympics.com etwa lädt er uns ein, selbst unsere eigene Version der Olympischen Spiele zu entwerfen, die vom Künstler weiter ausgewertet wird. Für die Ausstellung in der Galerie Françoise Heitsch hat der Künstler eine Videoarbeit geschaffen.

Äste, Zweige, Erdbrocken verfangen sich in den Netzen, die Andreas Savva gewoben hat. Das organische Material ist verstrickt in ein Gespinst aus Fäden, das es hält und zugleich zu zerreißen droht. Die Arbeit ist das Pendant zu einem größeren Werk im Europäischen Patentamt; dort sind es ausgediente Stühle und Tische, die hilflos in den Seilen hängen – für Savva sehr persönliche Gegenstände des Menschen, die, unbrauchbar geworden, sich nun in der Schwebe zwischen Bewahrung und Zerstörung befinden.

Nicht ganz von dieser Welt sind die Landschaften in den Videostills von Vassiliea Stylianidou. Sie halten eine prekäre Balance zwischen Realität und Virtualität: gespeist aus wirklichen Ansichten einer physisch greifbaren, echten Natur, sind sie doch aus dieser herausgeschnitten und in eine digital generierte Form eingeschlossen.

Eine sonderbare Straße der Erinnerung pflastern die gesammelten Objekte Thrafias. Ein tableau vivant aus spielzeugartigen Gegenständen breitet sich vor uns aus, bunt, ohne sichtbares Ordnungsprinzip. Vielleicht sind es Bruchstücke einer fiktiven Biographie?

Als hätte keine Menschenhand sie berührt, erscheinen die Werke von Katerina Tsekoura. Die Künstlerin arbeitet mit vergänglichen Stoffen, ja selbst mit unsichtbaren Kräften: Zucker, Pollen, Magnetismus. In einer explosiven Spannung zwischen den Gegensätzen hat bei ihr alles seinen Antagonisten, seine Antithese, seine Antwort: Weiches steht gegen Hartes, das Verletzliche gegen das Gewaltige, das Bedrohende gegen das Bergende, das Unheimliche gegen das Vertraute.

Zaphos Xagoraris schließlich ist als Maler genauso spannend wie als Installationskünstler. Seine schwarz-weißen Traumsequenzen – surreale, collageartige Konstellationen von Menschen und Dingen – sind rätselhafte Protokolle, in einer kaum leserlichen Schrift verfaßt, die undeutliche, undeutbare Spuren der Vergangenheit bewahren.

 

Zum Konzept der Ausstellung

„Durch Griechenland geschult, gewöhnt man sich daran, große Zeitspannen zu überwinden und Disziplinen zu sprengen. In einem Satz gleichzeitig eine meiner‘ Künstlerinnen und Heraklit erwähnen zu können, ist eine dieser vielleicht nur dort möglichen Selbstverständlichkeiten, über die ich mich sehr freue. Diese Ausstellung zu kuratieren, wurde für mich, eine Griechin, die in Deutschland lebt, ein Hineintauchen in die Kunst Griechenlands und eine Seelenangelegenheit. Das Ziel war es, jenseits der Trends Künstler zu zeigen, die die Vielfalt und Vielseitigkeit der zeitgenössischen Kunst in Griechenland vermitteln. Ein Künstler ist ein „Mehrseher“. Wenn es uns gelingt, ihm zu folgen, verschafft er uns einen Über-Blick über uns selbst, über das Leben und über sein Land.

Ich danke für das Vertrauen, welches das Europäische Patentamt mir entgegengebracht hat, und für die Hilfe, die ich in Athen bekam. Ich bedanke mich bei allen Künstlern, die mir Zugang zu ihrer Arbeit verschafft haben, und danke für das Verständnis derer, die wir leider nicht zeigen konnten.“

Françoise Heitsch

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