Françoise Heitsch

HEDIYE
20. NOV.-20. DEZ. 2008

Hediye: (türk.) Gabe/Geschenk
Die Kunst ist eine Gabe. Jedes Geschenk belebt die Seele, so dass wir die Kunst, die uns etwas bedeutet und uns bewegt, als Gabe empfangen. Der Künstler, der das Werk hervorbringt besitzt die Gabe des Talents, denn kein Geschenk kann aus eigener Anstrengung heraus erlangt werden, weder durch willentliche noch durch finanzielle. Man besitzt eine Gabe, um sie zu geben, so dass das Schöpferische und Kreative, das Werk eines Künstlers, der Gabensphäre angehört, die uns bereichert, bewegt und inspiriert. Das ist das Geschenk der Kunst. Sie verlangt in dieser Sphäre keine Gegenleistung und fügt sich somit in den positivsten und höchsten Wert des Schenkens.

Elf unterschiedlichste Künstler werden unter diesem Begriff hediye vereint. Die Papierobjekte von Nikos Alexiou, 1960, die sich in seinen Werkkomplex The End einreihen, dokumentieren seine jahrelange Auseinandersetzung mit Leben und Kunst im Kloster von Iviron auf dem Berg Athos. Das Werk der französischen Künstlerin Louise Bourgeois, 1911, ist Ausdruck eines radikalen, persönlichen Symbolismus´, der gleichwohl die Grenzen des privaten durchbricht im Hinblick auf eine Objektivierung elementarer Gefühle und psycho-physischer Befindlichkeiten. Der Medien- und Videokünstler Klaus vom Bruch, 1952, kombiniert recherchiertes und archiviertes Bildmaterial aus Filmklassikern, aus Internet- und Fernsehaufnahmen zu konzeptionellen Fotomontagen, die den Betrachter im Zeitalter der Medien eine differenzierte Wahrnehmung abverlangen. Die Motive der in Hamburg lebenden Malerin Ergül Cengiz, 1975, bewegen sich zwischen der Kunsttradition des Westens und der der islamischen Welt. Figürliche und ornamentale Malerei treffen aufeinander und verdichten sich zu collagierten Bildkompositionen, in denen die Künstlerin so weit wie möglich auf die narrative Wirkung verzichtet, indem sie den Vorder- und Hintergrund ihrer Bildmotive zugunsten einer flächigen Lesbarkeit in eine Ebene projiziert. Seung-Il Chung, 1979, zeigt eine Fotoserie, die in NYC entstand. Die Fotoarbeiten zeigen Umrisse einiger monumentaler Bauwerke in NYC – die Umkehrung der Objekte bewirkt eine Abstrahierung der Form und es bleibt eine Silhouette der Architektur. Nina Dietrich, 1982, zoomt zweimal auf ein bekanntes Porträt von Caravaggio – einmal, um es auf der Landkarte von Italien ausfindig zu machen und ein zweites Mal, um es narzisstisch neu mit ihrem eigenen Porträt als erotische Person anstelle des Jünglings zu besetzen. Mandira C. Helmich, 1962, ist eine Künstlerin, die mit allem arbeitet, was ihr begegnet; ihre Materialbilder und Objekte sind Topos ihrer Sicht- und Lebensweise und fordern den Betrachter auf verschiedenen sinnlichen Ebenen. Die Kunstwerke von Hao Fu, 1973, entstehen aus dem Verständnis der orientalischen Künste, dem Wissen über die Farbenlehre und die Ästhetik. Die 1982 geborene Anja Münch setzt Sequenzen menschlicher MERK-würdigkeiten subtil in Szene und konfrontiert den Betrachter oftmals mit einem Rollenwechsel bekannter Gesellschaftsphänomene. Ihre entworfenen Figuren sind wie aus einer verfremdeten Kindheitserinnerung herausgeschält. Als Vorlage benützt Sie Teilaspekte der konkreten Wirklichkeit um sie dann in ihre eigene Phantasiewelt zu appropriieren. Die Photoarbeit und Installation von Martina Salzberger visualisiert den Verlauf eines Kinderspiels, bei dem mit farbigen Gummihandschuhen jede Spiel- bzw. Gewinnmöglichkeit festgehalten wird. Petros Sianos, 1971, schafft ikonenhafte Welten aus Epoxidharz und führt das Kultbild orthodoxer (Ost-)Kirchen als Kunstbild in die Gegenwart. Die Elemente der so genannten Sianos-Ikonen vermischen sich in einer konservatorischen Darstellung auf mehreren Ebenen, so dass seine akribischen Miniaturwelten geradezu vor persönlichen Elementen des Künstlers sowie der Betrachter strotzen und mittels goldener sowie bernsteinfarbener Effekte fühlbar strahlen.