Françoise Heitsch

Pressetext
19.03.-23.05.2009 andreas savva kapsel


2004 zeigte Andreas Savva (1970) in der Gruppenausstellung ausderferne ausdernähe ausdermitte im Europäischen Patentamt München ein raumgreifendes skulpturales Geflecht aus Seilen und Stühlen, die sich – wie im Netz einer Spinne gefangen – versuchten im Raum zu befreien und sich zugleich durch das „geflochtene“ und „verflochtene“ Gefasstsein definierten. 5 Jahre später präsentiert uns der zypriotische Künstler bei Françoise Heitsch erneut ein dreidimensionales Objekt, das sich durch seine Dimension, Intention und durch das Ausmaß der Oberflächlichkeit und Materialität erklärt, das aber insgeheim eine tiefe Verbindung zwischen Persönlichkeit und Kunst an die Wand projiziert und uns vom entfernten Beobachter zum involvierten emotionalen Partizipant werden lässt. Andreas Savvas großflächige Wandarbeit aus dem stets vor Ort installiertem Zyklus „Anti-funeral-gifts“ besteht aus materiellen Zeitzeugen unseres Daseins. Keine Dinge, die ein Mensch mit ins Grab nehmen würde, mit denen er dennoch lebt, die er benutzt, die ihn begleiten und so ein Teil von ihm und seiner Persönlichkeit wurden. Der Mensch im Mittelpunkt der ihn umgebenden Materialität, die wie ein unentbehrlich gewordener, unauffälliger Satellit um ihn kreist. Bedeutend gewesene Gegenstände, beinahe vergessen, winden sich – zusammengepfercht in eine geschnürte Wellenlinie – über die Fläche, breiten sich wie eine gewaltige Schlange auf der Wand aus und verformen ihre willkürlich anmutende Route in ein visuell gewordenes Abenteuer unseres Daseins. Ihr Verlauf ist ein Weg, unvorhersehbar richtungsändernd und ungewiss.
Andreas Savva offenbart Tatsachen, erklärt Missstände oder verbildlicht politische Zustände, indem er nicht nur an unser metaphorisches Verständnis appelliert. Äste und Steine werden zu Gleichnissen eigenen Ursprungs, erzählen zugleich von Vertreibung und Besetzung und versinnbildlichen als Wurzeln das eigene Empfinden von Zugehörigkeit. Mit Klebebändern installierte Plastiken, die „Überlebenspakete“, stellen eine Parallele zu den Paketen persönlicher Gegenstände und Geschenke her, die Emigranten an Menschen in ihrer Heimat schicken. Eine Installation aus Mullbinden, kuratiert von Ruth Noack, auf dem Kodra-Gelände in Thessaloniki – ein Ort, an dem die aus der Türkei vertriebenen Griechen als auch die vertriebenen Türken aus Griechenland gebracht wurden – verbildlicht den Schmerz und im gleichen Zuge die erwartete Heilung und Lösung der historischen Problematik. Mit einem Werk voller Symbolik versucht uns Andreas Savva teilhaben zu lassen, am Zeitgeschehen, am eigenen Erlebten und an seiner Geschichte.