Françoise Heitsch
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Pressetext
Mette Tronvoll, Mongolei, 08.11.2007- 09.02.2008

Auch in ihren neuen Bildern stellt uns Mette Tronvoll Menschen aus der Peripherie gegenüber. Mongolische Mütter, Eheleute, Kinder und Jugendliche. Sie positionieren sich in heimatlicher Landschaft vor einem weiten, unverstelltem Horizont frontal zur Kamera. Unberührte Steppen und Berge bilden eine arkadische Folie für verwehte Mythen, die von romantischer Freiheit und heroischen Eroberungszügen erzählen. In ihrer unberührten Naturschönheit festgehalten werden sie zu Wunschbildern eines abgelegenen Ortes, der fernab unserer Zentren und unseres Zeitbegriffs liegt.
Die Mongolei, immer ein eigenständiger Staat mit nomadisierenden Staatsbürgern, die ihre Gers (Jurten) aufstellen wie zu Zeiten Djenghis Khans, war im 20. Jahrhundert geopolitisch zwischen den Supermächten der Volksrepublik China und der ehemaligen UDSSR eingeschlossen. Von beiden zwar abwechselnd beeinflusst, hat das Land doch seine Identität dauerhaft bewahren können

Stilistisch sind ihre Bilder statisch gebaut und zeigen keine Schnappschüsse. Zudem sind sie situativ und vermeiden das Narrative. Ob sie nun Einzelporträts alter und junger Frauen einander gegenüberstellt, wie in der Werkgruppe Age (1994), oder ob sie wie in Double Portraits (1998) zwei nahezu identische, kurz nacheinander geschossene Aufnahmen von ein und derselben Person nebeneinander präsentiert, ihr Thema umkreist immer wieder das Zeitliche. Mit den Einzel- und Gruppenporträts von Badenden in Grönland, Isortoq Unartoq (1999), überträgt sie dieses Thema auf subtile Weise. Auch hier in der Bilderserie aus der Mongolei versteht sie es, den Raum im Mythologischen aufzulösen und die Figuren und die Gers wie in Stein gehauene Büsten wirken zu lassen. Hier entschwindet das Zeitliche ins Ewige und wird durch die anwesenden Spuren der Zivilisation gleichwohl ins Zeitliche zurückgeholt.