ANTJE ZEIHER / COME CLOSER
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Sollte jeder mal ausprobieren: Sich in die Ecke eines Raumes stellen, um ihn dann zu beobachten.
Wer oder was ist der Raum ohne mich? Wer oder was ist er für mich? Wie frei bin ich in dem Raum? Meine Erinnerungen – sieht man sie?
Wenn ich den Raum aus der Distanz beobachte, beginne ich sein Wesen ohne die eigene Präsenz verstehen. Auf diesee Weise nehme ich den Raum – die dreidimensionale Konstruktion von Tiefe, Licht und Schatten – abgetrennt von meiner eigenen körperlichen Erfahrung wahr.
In ihren neuen, großformatigen Leinwandarbeiten widmet sich Antje Zeiher konsequent der Auseinandersetzung mit Räumen. Die Kompositionen sind klar strukturiert, präzise durchdacht und in Acryl umgesetzt.
Während sie in früheren Arbeiten mit Perspektiven spielte, sich auf Details konzentrierte und das große Ganze nur erahnen ließ, nimmt sie nun eine eindeutige Position ein: den Blick in den Raum. Über den Raum hinweg geht unser Blick zum Fenster. Die Räume, die wir mit Zeiher betrachten sind meist leer, mal sehen wir einen Tisch, mal hängt ein Bild, mehr nicht. Muster, die Erinnerungen zeigen, Farben, die Emotionen spiegeln, Obeerflächen und Stofflichkeiten, die erzählen. Motive aus kleinformatigen Arbeiten tauchen in den großen Formaten erneut auf und verdichten sich zu einem vielschichtigen Gefüge. Ihre Malerei ist ebenso psychologisches wie gestalterisches Experiment: Es zielt darauf ab, die eigene subjektive Wahrnehmung zu dekonstruieren und den Raum in seiner objektiven oder atmosphärischen Essenz zu erfassen. Was bleibt wenn ich gehe?
Es schwingt eine philosophische Frage mit, die an Martin Bubers „Ich und Du“ erinnert: Was geschieht, wenn wir dem Raum nicht nur als Beobachter, sondern als Gegenüber begegnen? Wenn wir ihn nicht als Objekt wahrnehmen, sondern als ein „Du“, das uns antwortet – mit Spuren, Erinnerungen und Atmosphären? Der Raum wird zum Partner von Zeihers innerer Erkundung, zum Spiegel der eigenen Existenz. Ihre künstlerische Suche – die Verbindung zwischen dem inneren und dem äußeren Raum, zwischen persönlicher Erinnerung und architektonischer Struktur – ist somit auch
eine existentielle Begegnung:
eine „Ich-Du“-Beziehung zwischen Mensch und Raum, Subjekt und Welt.
In ihren Arbeiten findet Martin Bubers „Ich und Du“ so eine visuelle Entsprechung. Sie zeigt, dass Räume nicht nur bewohnt oder beobachtet werden, sondern dass sie mit uns sprechen – wenn wir bereit sind, sie als ein „Du“ zu sehen.
Antje Zeiher, 1979 geboren, Studium an der Akademie der Bildenen Künste München bei Bustamante, lebt bei München
Susanne Wiedemann
ANTJE ZEIHER / COME CLOSER
Everyone should try this sometime: stand in the corner of a room and observe it. Who or what is the room without me? Who or what is it for me? How free am I in the room? My memories—can you see them? When I observe the room from a distance, I begin to understand its essence without my own presence. In this way, I perceive the room—the three-dimensional construction of depth, light, and shadow—separate from my own physical experience.
In her new, large-format canvas works, Antje Zeiher consistently focuses on the exploration of spaces. The compositions are clearly structured, precisely thought out, and executed in acrylic. Whereas in earlier works she played with perspectives, concentrated on details, and only hinted at the big picture, she now takes a clear position: the view into the room. Our gaze travels across the room to the window. The spaces we view with Zeiher are mostly empty; sometimes we see a table, sometimes a picture hangs on the wall, but nothing more. Patterns that evoke memories, colors that reflect emotions, surfaces and textures that tell stories. Motifs from small-format works reappear in the large formats and condense into a multi-layered structure. Her painting is as much a psychological experiment as it is a creative one: it aims to deconstruct her own subjective perception and capture the room in its objective or atmospheric essence. What remains when I leave?
There is a philosophical question that echoes Martin Buber's “I and Thou”: What happens when we encounter space not only as observers, but as counterparts? When we perceive it not as an object, but as a “Thou” that responds to us—with traces, memories, and atmospheres? Space becomes a partner in Zeihers inner exploration, a mirror of her own existence. Her artistic quest—the connection between inner and outer space, between personal memory and architectural structure—is thus also an existential encounter: an “I-You” relationship between human and space, subject and world.
Martin Buber's “I and Thou” finds a visual counterpart in her work. She shows that spaces are not only inhabited or observed, but that they speak to us—if we are willing to see them as a “Thou.”
Antje Zeiher, born in 1979, studied at the Academy of Fine Arts in Munich under Bustamante and lives in Munich.
Susanne Wiedemann
Antje Zeiher ( → Artist Website)
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Biography
Billboard Artpreis, Förderung durch die Debütamten Jury Kunstinsel am Lenbachplatz, München; Fanny Carlita Stiftung
Solo Exhibitions
"Tourné" / Galerie Judith Andreae, Bonn
Group Exhibitions
"ATHEN - MÜNCHEN" / Galerie Francoise Heitsch, München
"Take It Easy", Galerie Judith Andreae, Bonn
"Finir en Beauté" / BBK, München
"The Greek counter example" / Diplarios School, Athen; kuratiert von Professor Moutsopoulo / mit u.a. Nikos Alexiou, Philipp Gufler, Aliki Palaska, Antje Zeiher
"Far Off Köln" / Galerie Judith Andreae, Bonn
"Art Fair Köln" / Galerie Judith Andreae, Bonn